Jonathan Dilas Kurzgeschichten Stories out of Dreams

Das Maria Evangelium

Das Maria Magdalena Evangelium (Version 1.3)
Das Maria-Evangelium, ins Englische übersetzt von L. King, George W. McRae, R. McL. Wilson and Douglas M. Parrot, aus der Nag Hammadi Bücherei James M. Robinson (ed), Harper & Row, San Francisco 1988, pp. 252-527
Das Essay wurde ins Deutsche übersetzt von Jonathan Dilas, www.matrixseite.de, 2005)

 

Anmerkung d. Übers.:

Die Übersetzung erfolgte nicht im klassischen Stil der Kirche. Manche Wörter wurden nicht richtig verstanden, wie z.B. das Wort „All“. Das "All" hat jedoch nichts mit dem zu tun, was Jesus erwähnt hatte. Dieses Wort wurde nur deshalb benutzt, weil man im Original das Wort nicht verstand und nur sinngemäß als das englische Wort "all" übersetzt wurde. Im Deutschen wusste man damit auch nichts anzufangen und hat es dann als "All" übersetzt. In Wirklichkeit meinte Jesus jedoch "Ganzheit", das "All-Eine" sozusagen, aus dem er auch hervorgekommen ist. Dies liest sich im "Thomas-Evangelium" deutlich nach.

 

Die Situation zu Beginn des Maria-Magdalena-Evangeliums ist gerade jene, dass die Jünger und die Jüngerin Maria Magdalena bei Tisch saßen und ihnen Jesus erschien. Sie sprachen miteinander und Jesus erklärte ihnen viel über die Natur der Materie, Leben, Schöpfung und Vergänglichkeit. Maria platzt nach der Erscheinung Jesu' damit heraus, dass er ihr bereits zuvor in einer Vision erschienen war und brachte Unfrieden unter die Jünger. Man wollte ihr nicht so recht glauben, dass Jesus ihr zuerst erschienen sein sollte. Ebenso ist die Kirche nicht erfreut über die Tatsache, dass Jesus Maria zuerst erschienen war und deutet Marias Vision als einen simplen Traum. Jesus befreite sie in diesem "Traum" jedoch von den sieben Mächten des Zorns und klingt nicht nach einem Traum.

Das Maria-Magdalena-Evangelium

 

„Wird Materie nun zerstört oder nicht?“

Der Retter sprach: „Alles Natürliche, jede Form, sämtliche Kreaturen existieren in- und miteinander, und sie lösen sich wieder in das auf, aus dem sie entstanden sind. Denn die Natur der Materie kann sich nur wieder in ihre eigenen Wurzeln auflösen. Jener, der zwei Ohren besitzt, den lasset hören.“

Petrus sprach zu ihm: „Nachdem du uns alles erklärt hast, erzähle uns auch dies: Was ist die Weltsünde.“

Der Retter sprach: „Es gibt keine Sünde. Ihr erschafft Sünde mit den Dingen, die ihr tut, dies ist z.B. die Natur des Ehebruchs, die Sünde genannt werden kann. Das ist der Grund, wieso das Gute in eure Mitte trat, als Essenz einer jeden Natur, um sie wieder zu Seinen Wurzeln zurückzuführen.“

Dann fuhr Er fort und sprach: „Dies ist der Grund, wieso ihr krank werdet und sterbt. Jener der verstehen kann, der verstehe. Die Materie gebar ein Leid, dem keiner ebenbürtig ist und aus etwas der Natur Gegensätzlichem entstand. Denn darauf folgt eine Störung des ganzen Körpers. Dies ist auch der Grund, wieso ich sagte: ‚Seid guten Mutes!’, wenn ihr entmutigt seid, seid mutig innerhalb der Gegenwart und ihren verschiedenen Formen der Natur. Jener der Ohren hat, der höre.“

Als der Gesegnete dies sagte, grüßte Er sie alle und sprach: „Friede sei mit euch. Empfangt meinen Frieden in euch. Achtet darauf, dass euch niemand in die Irre führt, indem er sagt: ‚Seht hier, seht dort…’, denn der Sohn Gottes ist in euch. Folget Ihm! Jene, die Ihn suchen, werden Ihn auch finden. Gehet hin und prediget das Evangelium des Königreichs. Legt nicht sämtliche Regeln beiseite, die ich euch mitteilte, und gebt kein Gesetz auf, so wie es die Gesetzesgeber tun und euch somit beschränken.“

Als Er dies gesprochen, verschwand er. Doch sie waren betrübt. Sie weinten sehr und sagten: „Wie sollen wir zu den Heiden gehen und das Königreich des Sohn Gottes predigen? Wenn sie Ihn schon nicht verschonten, wieso sollten sie uns schonen?“

Dann erhob sich Maria Magdalena, begrüßte sie alle und sagte zu ihren Brüdern: „Weint nicht, seid weder betrübt noch unentschlossen. Denn Seine Gnade wird vollkommen für uns sein und wird euch beschützen. Lasset uns besser seine Großartigkeit preisen, denn Er hat sie für uns vorbereitet und dies machte uns zu Menschen.“ Als Maria dies sagte, wandte sie ihre Herzen zum Guten und dann diskutierten sie die Worte des Retters. 

Petrus sagte zu Maria: „Schwester, wir wissen, dass der Retter dich mehr liebte als alle anderen Frauen. Berichte uns von den Worten des Retters, die du erinnerst – die du kennst und wir nicht oder von denen wir noch nie gehört haben.“

Maria antwortete und sagte:

„Was dir verborgen, werde ich dir kundtun.“ Und sie sprach zu ihnen die Worte: „Ich…“, sprach sie, „Ich sah Christus in einer Vision und ich sprach zu ihm:

’Christus, ich sah dich heute in einer Vision.’

Er antwortete darauf und meinte:

’Sei gesegnet dafür, dass du nicht gezaudert hast, als du mich erblicktest. Denn dort, wo der Geist ist, da ist der Hort.’

Ich sprach zu ihm:

’Christus, wie sieht Er in einer Vision, die durch die Seele oder durch den Geist gesehen wird?’

Da antwortete der Retter und sprach:

’Er sieht weder durch die Seele noch den Geist, sondern durch den Verstand, welcher zwischen diesen beiden steht – das ist es, wie man eine Vision sieht.’

(Der mittlere Teil des Originaltextes fehlt an dieser Stelle. Aus dem Grund fehlt nun auch der Übergang zu dem Moment, als Jesus für Maria Magdalena erschien und sie ihn auf Anhieb nicht erkannte. Dieser Teil ist offensichtlich zerstört worden. Der Grund dafür ist unklar. Jedenfalls geht es dort weiter, als Maria in der Auseinandersetzung mit ihren Gefühlen steht, den Beschränkungen des Geistes in Form von 7 Mächten. Hier kämpft sie gerade mit dem Verlangen in ihr selbst in der Gegenüberstellung von der Macht und der Seele:)

’Ich sah nicht, wie du herabstiegst, aber jetzt sehe ich, wie du aufsteigst. Wieso lügst du also, weil du zu mir gehörst?’

Die Seele antwortete und sprach:

’Ich sah dich. Und du hast mich weder gesehen noch erkannt. Ich diente dir einst als Gewand und du hast mich nicht erkannt!’

Als sie (die Macht) das ausgesprochen hatte, verschwand sie lachend (frohlockend):

Danach kam es auf die dritte Macht an, die da Ignoranz lautet. Sie (die Macht) befragte die Seele: ’Wohin gehst du? In Boshaftigkeit wirst du gebannt, urteile nie!’ Und die Seele sagte: ’ Wieso verurteilst du mich, obwohl ich dich nicht verurteilt habe? Ich war gebunden, doch habe nie gebunden. Ich bin nicht erkannt worden. Aber ich habe erkannt, dass sich die Ganzheit auflösen wird, sowohl die Irdischen Dinge als auch die Himmlischen.’

Als die Seele die dritte Macht besiegt hatte, stieg sie weiter auf und erkannte die vierte Macht, die sieben Formen besaß. Die erste Form war die Dunkelheit, die zweite das Verlangen, die dritte die Ignoranz, die vierte die Furcht vor dem Tode, die fünfte das Königreich des Fleisches, die sechste die närrische Weisheit des Fleisches und die siebte die zornige Weisheit. Diese sind die sieben Mächte des Zorns.’ Sie (die Mächte) befragen die Seele: ’ Woher kommst du, Menschenmörder, oder wohin gehst du, Welteneroberer?“ Die Seele antwortete und sprach: „Was mich einst gebunden ist nun befreit, und was mich umgab, ist nun überwunden worden, und die Ignoranz ist besiegt. In einer Welt wurde ich von der Welt befreit, in einer Art himmlischen Gestalt sowie von den Fesseln der Vergessenheit, die vergänglich ist. Von jetzt an werde ich für den Rest der Zeit, der Jahreszeiten, der Äonen, in Stille beabsichtigen.’

Als Maria dies gesprochen hatte, fiel sie in Stille, denn das war der Moment, als der Retter mit ihr gesprochen hatte.

Doch Andreas antwortete und sagte zu den Jüngern:

„Sprecht, was sagt ihr darüber, was sie eben erzählt hat? Ich bin der letzte der glaubt, dass dies der Erlöser gesagt hat. Diese Lehre ist sicherlich eine befremdliche Vorstellung.“

Petrus antwortete und sprach die gleichen Dinge betreffend. Er befragte sie nach dem Retter:

„Sprach Er wirklich ohne unser Wissen mit einer Frau und das nicht öffentlich? Sollen wir uns ihr nun zuwenden und ihr künftig zuhören? Hat er sie uns vorgezogen?“

Dann weinte Maria und sagte zu Petrus:

„Mein Bruder Petrus, was denkst du denn? Denkst du, dass ich mir all dies in meinem Herzen ausgedacht habe oder dass ich über unseren Retter Lügen erzähle?“

Levi (Matthäus) antwortete und sagte zu Petrus:

„Petrus, du warst schon immer temperamentvoll. Nun sehe ich, wie du dich gegen diese Frau aufbäumst als wäre sie dein Gegner. Denn wenn der Retter sie als wertvoll erachtete, wieso möchtest du sie dann ablehnen? Der Retter kennt sie sicherlich sehr gut. Das ist der Grund, wieso er sie mehr liebte als uns. Wir sollten uns besser schämen und lieber dafür sorgen, den perfekten Menschen in uns und für uns zu leben, so wie Er es uns aufgetragen hat. Lasst uns das Evangelium predigen und nicht Gesetze aufstellen, die jenseits dessen stehen, die uns der Retter mitgeteilt hat.“

Danach begannen sie zu verkünden und zu predigen… (Ende)

Aufmerksam auf dieses Evangelium wurde ich durch einen TV-Beitrag über das Buch "Sakrileg" mit dem Titel „Der DaVinci-Code“, das mittlerweile von dem Papst verboten wurde. Dort wurde meine jahrelange Annahme, dass Jesus eine Beziehung mit Maria Magdalena geführt hatte, bestätigt und anhand einiger deutlicher Hinweise auch recht eindeutig bewiesen. Es findet sich ebenso ein Hinweis im Thomas-Evangelium:

104. Sie sagten zu ihm: "Komm, lass uns heute beten und fasten." Jesus sagte: "Welche Sünde habe ich denn begangen oder habe ich etwas noch nicht vollendet? Doch wenn der Bräutigam die Brautkammer verlassen haben wird, dann lasst sie fasten und beten."

Offensichtlich war Jesus der Bräutigam und amüsierte sich mit Maria Magdalena in der Brautkammer. Die Jünger, so eifersüchtig sie stets waren, klopften an seine Tür und fragten, ob er zum Beten und Fasten mit ihnen gehe, aber Jesus lehnte mit diesen Worten ab.

Nicht nur dieser Hinweis, sondern das berühmte "Abendmahl"-Bild von DaVinci (siehe Ausschnitt unten), auf dem u.a. von der Kirche behauptet wird, an Jesus rechter Seite säße Johannes, aber wenn man einmal genauer hinsieht, handelt es sich dabei definitiv um eine Frau!

Abendmahl Maria Magdalena Evangelium

Somit zeigt sich deutlich, dass Maria Magdalena wohl doch eine besondere Rolle in Jesus’ Leben gespielt hatte und erklärt auch, wieso Jesus ihr zuerst erschien war und danach erst seinen Jüngern. Bisher wurde dies in der Kirche stets beiseite geschoben und nicht gern beachtet. Insbesondere steht im englischen Original, dass Maria eine Vision besessen hatte, in der ihr Jesus erschienen war, doch in einigen Übersetzungen wird dies als ein Traum bezeichnet. Allgemein betrachtet ziehen die meisten Menschen schon einen Unterschied zwischen einem Traum und einer Vision. Man denke dabei an Johanna von Orleans, die aufgrund einer Vision in den Krieg zog. Aufgrund eines Traumes macht man das eher seltener. Hätte sie zu ihrer Zeit geäußert, sie hätte es nur geträumt, wäre sie bei weitem nicht so ernst genommen worden.

Besonders interessant ist in Maria Magdalenas Evangelium, dass Jesus als richtiger Philosoph erschien, der mit seinen Jüngern über die Vergänglichkeit der Materie und in der persönlichen Erscheinung für sie sogar die verschiedenen Erscheinungsformen des Zorns, der den Menschen an die Welt der Materie bindet, diskutierte. Hinweise auf eine Beziehung zwischen Jesus und Maria Magdalena finden sich zuhauf in ihrem Evangelium, z.B.:

Petrus sagte zu Maria: "Schwester, wir wissen, dass der Retter dich mehr liebte als alle anderen Frauen. Berichte uns von den Worten des Retters, die du erinnerst – die du kennst und wir nicht oder von denen wir noch nie gehört haben."

Die männliche Kirche war damals vermutlich ebenso empört wie Jesus' Jünger, als sie hörten, Jesus sei ihr zuerst erschienen. Immerhin bestätigt Petrus u.a. mit seinem Wutausbruch, dass Jesus eine besondere Beziehung zu Maria Magdalena besaß. Sehr vertraut wirkt auch das kurze Gespräch zwischen Maria Magdalena und Jesus, das im Thomas-Evangelium zu finden ist:

(21.) Maria befragte Jesus: „Wie sind deine Jünger?“ Er sagte: „Sie sind wie kleine Kinder, die sich auf einem Feld niedergelassen haben, das ihnen nicht gehört. Wenn die Besitzer des Feldes kommen, werden sie sagen: ‚Gebt uns unser Feld zurück’. Sie werden ihre Kleider vor ihnen ablegen, nur damit es ihnen überlassen wird und ihnen das Feld geben. Darum sage ich: Wenn der Besitzer des Hauses weiß, dass der Dieb kommen wird, wird er wachen, bevor er kommt. Er wird ihn nicht eindringen lassen, um seine Dinge mitzunehmen. Ihr aber, seid wachsam gegenüber der ganzen Welt. Bereitet euch mit größter Stärke vor, damit die Diebe keinen Weg zu euch finden können, denn der Ärger, den ihr erwartet, der wird auch kommen.“

Offensichtlich scheint hier, dass diese beiden sehr vertraut miteinander waren. Vielleicht sogar verheiratet, wie es scheint. Somit ergibt sich, dass das Patriarchat der Kirche logischerweise nur aufrechterhalten werden konnte und kann, d.h. die höheren Positionen werden nur von Männern eingenommen, indem man das Evangeliums der Maria Magdalena relativiert und möglichst nicht erwähnt. Hätte man seit Beginn der Entstehung der Kirche Maria Magdalena gebührend berücksichtigt, wäre heute vielleicht ein weiblicher Kardinal oder gar ein weiblicher Papst normal.

Heute wird Maria Magdalenas Evangelium oft von emanzipierten Frauen verwendet, um ihre Position in einer von Männern dominierten Welt aufzuwerten. Wir finden auch einen Hinweis darauf, dass Jesus auch weibliche Jünger in seinen Kreis aufgenommen hat, im Thomas-Evangelium:

(61.) Jesus sagte: „Zwei werden ruhen auf einem Bett, einer wird sterben, der andere wird leben. Salome sagte: „Wer bist du, mein Herr? Du bist auf mein Bett gestiegen und hast an meiner Tafel gegessen, als wärst du von jemandem gesandt worden.“ Jesus sagte zu ihr: „Ich bin der Auserwählte, der aus dem Ganzen hervorkommt. Ich habe die Erlaubnis meines Vaters erhalten.“ Salome sagte: „Ich bin deine Jüngerin.“ Jesus sagte zu ihr: „Aus diesem Grunde teile ich dir mit, wenn jemand ganz ist, wird er mit Licht erfüllt werden, doch wenn jemand geteilt ist, wird er voller Dunkelheit sein.“

In esoterischer Hinsicht sind Jesus richtig übersetzten Weisheiten sehr interessant, denn er spricht des Öfteren von einer „Ganzheit“, vom „Einen“. Nicht nur im Gespräch mit Salome, sondern auch an anderer Stelle im Thomas-Evangelium:

(11.) Jesus sagte: „Dieser Himmel wird vergehen. Und derjenige, der darüber ist, wird vergehen. Die Toten sind nicht lebendig, und die Lebendigen werden nicht sterben. Während der Tage, in denen ihr das esst, was tot ist, belebt ihr es wieder. Wenn ihr mal im Licht sein werdet, was werdet ihr tun? An dem Tag, an dem ihr Eins geworden seid, werdet ihr zwei sein. Aber wenn ihr zwei geworden seid, was werdet ihr tun?“

Zusätzlich finden sich auch Hinweise in Maria Magdalenas Evangelium, in der er ebenfalls von einer Ganzheit spricht und dass alles ein Teil dessen ist. Jesus bezeichnet das Ganze als seine Herkunft und als seinen Vater, der ihm seine Existenz ermöglichte. Mit ein wenig Psychologie kombiniert wird sehr schnell klar, dass Jesus einzig und allein über innerpsychische Vorgänge spricht. Auch spricht er von einem Licht und den Sohn Gottes, der in jedem Menschen zu finden ist und das man nicht außerhalb seiner selbst suchen sollte. Der liebenswürdige Jesus zeigt sich auch manchmal von der harten Seite, wenn er dazu auffordert, seinen Eltern abzuschwören oder flüstert Thomas unanständige Dinge ins Ohr, droht mit dem Schwert und führt philosophische Gleichnisse an. Das Bild, das uns die Kirche von Jesus geliefert hat, entspricht also nur teilweise den Tatsachen. Weder war Jesus ein Pazifist, noch enthaltsam noch bestrebt, Gotteshäuser zu errichten, in denen gebetet werden muss oder Kinder beschnitten werden sollen.

Offensichtlich sind seine Lehren ganz nach den Bedürfnissen der Kardinäle und Päpste zurechtgeschnitten worden. Es ist also nicht verwunderlich, wenn sich die Kirche weigert, solche Evangelien in die Bibel nachträglich einzusetzen. Dies würde zwar eine Neuauflage der Bibel und einen immensen Verkauf bedeuten, immerhin war die Bibel der Bestseller aller Zeiten, aber wohl doch die Machtposition der Kirche in unserer Welt zu stark erschüttern.

Wer war Maria überhaupt?

Der Name Maria bedeutet im Aramäischen „Die von Gott geliebte“ und ist bereits allein Zeugnis für die Verbindung zwischen Jesus und Maria-Magdalena. Die so genannten 12 Jünger Jesu’ waren vielleicht der Kern seiner Anhänger, doch muss seine Anhängerschar viel größer gewesen sein. Selbst Salome schien seiner Gefolgschaft anzugehören. Heutzutage würde dies definitiv als Sekte klassifiziert werden, sogar als eine sehr erfolgreiche, wenn man einmal bedenkt, wer sich dieser angeschlossen hatte und mit welchem Eifer sie an Jesus Seite standen. Maria war ebenso eine seiner Jüngerinnen (oder sagt man hier Jungfrauen?). Allem Anschein nach bestand eine Art Beziehung zwischen Jesus und ihr. Sie hatte sich Jesus angeschlossen, als er sie von ihrer Besessenheit befreit hatte. Offensichtlich war Maria für ihre Salbungskünste und Massagen bekannt und salbte auch Jesus gern die Füße. Papst Gregor der I. bezeichnete Maria-Magdalena öffentlich als Prostituierte, da sie eben Jesus die Füße zu salben pflegte, doch bedachte er dabei wohl nicht, dass es Jesus selbst gleichgültig war, was Maria Magdalena gewesen ist. Papst Gregor I. erhob sich somit also dem Urteil Jesu’. Normalerweise wäre dies doch schon ein Akt der Gotteslästerei gewesen. So entlarvt sich der Manipulierende selbst. Erst 1969, also fast 1500 Jahre später, wurde diese Beschuldigung von der Kirche zurückgenommen. Die Räder der Kirche mahlen sehr langsam.

Im Evangelium nach Philipus wird sogar eine Intimität in Form von Küssen erwähnt, die Jesus Maria-Magdalena gegeben hatte.

Nach der Kreuzigung Jesu’ ist sie nicht wie die anderen Jünger geflohen, sondern verblieb noch einige Zeit dort. Später reiste sie mit einem Schiff nach Frankreich. Dort angekommen soll sie als Einsiedlerin im Wald gelebt haben. Man sagt, sie habe dort eine Höhle entdeckt und sie zu ihrem Wohnort ernannt. Die französische Adelsfamilie der Merowinger behauptet bis heute, dass sich ein Familienmitglied mit ihr getraut und ein Kind gezeugt hätte. Diese Geschichte wird sehr stark umstritten, denn damit würde die Familie der Merowinger Jesus Blut in sich tragen.

Maria hatte durch die Lehre Jesu’ viele Fähigkeiten erlangt. Später war Maria sogar dazu in der Lage, anderen Menschen im Traum zu erscheinen und ihnen Botschaften zu überbringen. Darüber findet sich eine alte Geschichte, in dem sie ein Königspaar im Schlaf erschien. Ebenso war sie in der Lage Jesus in seinem neuen Überlebenskörper nach der Kreuzigung wahrzunehmen.

Die 7 Mächte im Überblick

Die sieben Mächte des Zorns, von denen Jesus sprach und Marias Seele beschwor, damit sie sich mit diesen Mächten auseinandersetzte und sie besiegte, lassen sich wie folgt aufführen:

 

1.    Die Dunkelheit

Keine Bewusstheit, geistige Blindheit

2.    Das Verlangen

Die Gier, die Wut, das unstillbare Verlangen nach mehr, obwohl man bereits im Überfluss lebt

3.    Die Ignoranz

Kein Mitgefühl, nur auf sich selbst bedacht sein, keine Empathie

4.    Die Furcht vor dem Tod

Angst vor der Vergänglichkeit, die Befürchtung, dass sich alles im Irdischen und im Himmlischen für immer auflösen wird

5.    Das Königreich des Fleisches

Diktatur der körperlichen Gesetze, Regeln und Beschränkungen

6.    Die närrische Weisheit des Fleisches

Nur das glauben, was man sieht, Rationalität

7.    Die zornige Weisheit

Besserwisserei, Fanatismus, verblendete Selbstüberzeugung


Diese sieben Punkte sollen keine Verurteilungen sein, wie man es im Denken der Kirche gewohnt sein könnte, sondern sie stellen Hinweise und Ratschläge dar, die eigenen übertriebenen Gefühle zu erkennen und daraufhin fehlerhafte Schlussfolgerungen abzulegen. So glaubte Maria plötzlich beim Auftauchen der vierten Macht, dass der Tod alles im Himmel und auf der Erde vernichtet und auflösen wird. Doch als sie ihre Seele erhören konnte, da lauschte sie den Worten der Seele und erkannte, dass dies nicht den Tatsachen entsprach.

Es gibt zahlreiche Beispiele in unserer Welt. Religiöse Fanatiker, die für ihren Glauben viele Menschen mit in den Tod reißen würden, könnte man als Besserwisserei oder als Zorn des Wissens nennen, denn sie glauben, dass sie im Recht sind und verurteilen jene, die diesen Glauben leugnen oder ihn anders betrachten. Maria hatte in diesem Evangelium die ersten vier Mächte besiegt. Man muss sogar applaudieren, denn anfangs hat Maria Jesus nicht wahrnehmen können und er machte sich auf amüsante Art lustig über sie – nicht zuletzt, um die 7 Mächte in ihr anzusprechen und zum Aufsteigen zu bewegen, damit sie sich mit ihnen auseinandersetzen konnte, aber dann konnte Maria ihn wahrnehmen. Sie war also in der Lage einen Geist zu sehen, auch wenn sie ihn anfangs nicht gleich erkannt hatte.

Das Maria-Magdalena-Evangelium ist in jedem Fall ein lang gehüteter Schatz, den man, mit ein wenig Verständnis und Mut zur Aktualisierung der gesprochenen Worte Jesu' für seine eigene Entwicklung nutzen kann.

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Quellen:

- TV-Beitrag “Der DaVinci-Code”, 25.3.05, 18.15 Uhr, Pro Sieben
- „Das Thomas Evangelium“, Essay, Jonathan Dilas
- Maria-Evangelium,ins Englische übersetzt von L. King, George W. McRae, R. McL. Wilson and Douglas M. Parrot, aus der Nag Hammadi Bücherei James M. Robinson (ed), Harper & Row, San Francisco 1988, pp. 252-527
- http://www.womenpriests.org
-
http://www.heiligenlexikon.de
- http://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Magdalena

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